Gebürtig

Produktionsjahr 2002

Gebürtig - Webseite

 
    "Gebürtig" führt in das Jahr 1987, eine Zeit, in der Österreich durch die "Waldheim-Affaire" in der Welt negative Schlagzeilen machte.

Erzählt wird die Geschichte des jüdischen Emigranten Hermann Gebirtig ( Peter Simonischek ) der sich ein Leben als erfolgreicher Schlagerkomponist in New York eingerichtet hat und glaubt, seine KZ-Vergangenheit ebenso wie seine alte Heimat Wien weit hinter sich gelassen zu haben. Doch die Geschichte holt ihn, den abgeklärten Erfolgsmenschen im fernen Amerika ein.

Susanne Ressel ( Ruth Rieser ), eine schöne junge Journalistin aus Wien überredet ihn mit List und Hartnäckigkeit, sich der Vergangenheit zu stellen und in Wien gegen einen ehemaligen KZ-Aufseher auszusagen. Wien ist aber auch die Stadt des Danny Demant ( August Zirner ) Kabarettist und Lebenskünstler und Frauenfreund.

Vorerst mit Susanne liiert, zieht ihn bald die junge Notärztin Chrissie ( Katja Weitzenböck ) in ihren erotischen Bann. In seinem Freundeskreis vermischen sich die Kinder von Tätern und Opfern, und in seinem Kabarett "Mischpoche" besingt Danny die Heimatstadt: "Einst Welthauptstadt des Antisemitismus, ist sie heute Vergessenshauptstadt worden..." Von einer amerikanischen Filmcrew wird der Wiener Jude Danny Demant als Kleindarsteller engagiert, um einen Wiener Juden in Auschwitz zu spielen. Während der Dreharbeiten trifft er auf Konrad Sachs ( Daniel Olbrychski ) eine weitere Schlüsselfigur in der Dramatik der Gebürtigkeiten.

Der Hamburger Kulturjournalist Konrad Sachs verdrängt schon sein Leben lang die Tatsache, der Sohn eines hochrangigen KZ-Arztes in Polen zu sein. Unauslöschlich eingeprägt hat sich ihm das Bild seines Vaters in der schmucken NS-Uniform. Und eine Schuld, die den Sohn nicht mehr loslässt. Als Sachs nach Auschwitz fährt, um über Dreharbeiten im ehemaligen KZ zu berichten, trifft ihn die Erinnerung mit voller Wucht. Er reist der Vergangenheit nach bis nach Wien und wird dort mit Hilfe von Susanne, Danny und Gebirtig einen Weg finden, mit den quälenden Erinnerungen fertig zu werden.

Susannes Vater ist der Pensionist Karl Ressel ( Ernst Stankovski ) , der die Nazizeit als politischer Häftling im Konzentrationslager Ebensee überstanden hat. Bei einem harmlosen Ausflug auf die Rax holt ihn die Vergangenheit urplötzlich ein - nach Jahrzehnten des Vergessens begegnet Ressel einem ehemaligen KZ-Aufseher wieder.

Es ist der einstige Oberscharführer Rudolf Pointner ( Edd Sztavjanik ) - der "Schädelknacker von Ebensee". Für Ressel wird die kurze Begegnung zum tödlichen Finale seiner Erinnerung - er erliegt vor Aufregung einem Herzinfarkt. Seine Tochter Susanne ist dadurch in voller Härte mit der Vergangenheit konfrontiert. Sie wird alles daran setzen, den langjährig gesuchten Menschenschänder Pointner der Gerechtigkeit zuzuführen.

Doch was ist schon Gerechtigkeit? Es gelingt Susanne, den prominenten Komponisten Gebirtig, ehemaliger Lagerhäftling in Ebensee, aus seinem New Yorker Exil nach Wien zu holen. Der Prozess findet statt, doch wird Pointner "mangels an Beweisen" nicht schuldig gesprochen.

Ob Gebirtigs Reise nun sinnlos war? "Na wenn schon", würde Hermann Gebirtig sagen, "Wien ist eine schöne Stadt. Zum Sterben schön." Möglicherweise wird er zuletzt sogar mehr finden, als nur seine innere Ruhe.
Regie:
Robert Schindel
Lukas Stepanik

Drehbuch:
Georg Stefan Troller
Robert Schindel
Lukas Stepanik

Darsteller:
Ruth Rieser
Peter Simonischek
Daniel Olbrychski
August Zirner
Katja Weitzenböck
Corinna Harfouch

Musik:
Peter Ponger

Kamera:
Edward Klosinski

Ausstattung:
Friedrich
Hollergschwandtner

Schnitt:
Hubert Canaval